Schalke und St. Pauli setzen auf Fördergenossenschaften, um Eigenkapital ohne Investoreneinfluss von den Mitgliedern zu holen.
Mitglieder der Fördergenossenschaft kaufen Anteile; die Genossenschaft sammelt das Geld und kauft damit Anteile an der Stadiongesellschaft des Vereins. Das Geld hilft dem Verein, Verbindlichkeiten abzubauen. Die Genossenschaft ist an den Überschüssen der Stadiongesellschaft beteiligt, die als Rendite ausgeschüttet werden können. Mitglied kann nur werden, wer auch Vereinsmitglied ist, damit das Stadion in Schalker Hand bleibt.
Bei Schalke kostet ein Anteil mindestens 250 Euro plus ein einmaliges Eintrittsgeld von 75 Euro. Beim FC St. Pauli kostet ein Anteil 750 Euro, dazu kommen 100 Euro Eintrittsgeld. Laut Matthias ist das Modell nicht renditemaximierend: Wer nur wegen der Rendite einsteigt, ist im falschen Konstrukt. In der Generalversammlung wird über Dividende oder Reinvestition entschieden.
Oke Göttlich nennt sie die erfolgreichste Genossenschaftsgründung aller Zeiten in der Bundesrepublik: Über 21 Millionen Euro kamen in rund vier Monaten zusammen. Mitmachen konnte man nach seinen Worten noch bis Ende März. Schalke startete Ende Januar und wollte bis zum Sommer in den zweistelligen Millionenbereich kommen, als ersten Meilenstein für den Kauf von Stadionanteilen.
Schalke hat durch den Abstieg in der Pandemie hohes negatives Eigenkapital. Wer Eigenkapital gibt, will normalerweise mitbestimmen, bei Schalke bestimmen aber die Mitglieder. Matthias erlebte bei Chelsea nach dem Investorenwechsel, wie plötzlich amerikanische Rapmusik vor dem Spiel lief und sich vieles änderte. Die Genossenschaft ist mitgliederbasiert: Jeder hat nur eine Stimme, egal wie viele Anteile.
Matthias beziffert die Schulden auf etwa 150 bis 160 Millionen Euro. Im letzten Jahr musste Schalke rund 16 Millionen Euro für Zins und Tilgung aufbringen, wahrscheinlich mehr als das Budget eines durchschnittlichen Zweitliga-Kaders. Ursache war der Abstieg in der Pandemie mit einem Kader, der für internationale Spiele aufgestellt war; vor vier, fünf Jahren stand der Verein am Kollaps.
Schalke liegt bei etwa 150 Millionen Euro Umsatz, vor allem dank der Arena und Drittveranstaltungen: die Europameisterschaft, Champions-League-Spiele von Schachtar Donezk, Rammstein und dreimal Taylor Swift. Jedes Heimspiel ist mit über 60.000 Zuschauern ausverkauft. TV-Gelder machen weniger als 20 Prozent des Umsatzes aus; wichtiger sind Ticketing, Sponsoring und Hospitality.
Laut Oke Göttlich ganz einfach: St. Pauli konnte sie finanziell nicht halten. Beide waren Leihspieler; bei einem Klub wie Brighton verdienen Spieler das Fünf- bis Sechsfache. Als Zweitligist war das nicht zu stemmen. Deshalb erzielte St. Pauli keine Transfererlöse und sucht nach einem Modell wie bei Schalke, um Spieler für fünf oder zehn Millionen verkaufen zu können.
Trivago gab 2017 rund 800 Millionen Euro für Marketing aus, 70 bis 80 Prozent des Umsatzes. Die Brust des Spieltrikots hätte den Rahmen gesprengt. Ziel war Aktivierung und emotionale Aufladung der Marke, besonders in Großbritannien, mit viel digitaler Präsenz unter der Woche. Chelsea mit CEO Guy Lawrence war offen, gemeinsam etwas Neues zu entwickeln.
Multi-Club-Ownerships wie die City Football Group mit Man City, New York City FC und 13 weiteren Vereinen kaufen Talente schon mit 15 oder 16 massiv ein und parken sie. Damit nehmen sie organischen Fußballclubs Spieler aus dem Recruitment, auch im Schalker Nachwuchs. Im Gespräch wird deshalb deutlich mehr Regulierung und klarere Richtlinien im Fußball gefordert.
Oke Göttlich will alles dafür tun, dass sie erhalten bleibt. Matthias sagt, Schalke sei klar für 50+1 und wolle nicht, dass Ausnahmeregeln zementiert werden, weil sie dann für alle gelten müssten. Im DFL-Präsidium sei man sich heute deutlich einiger; eine wesentliche Änderung sei, dass es weitere Ausnahmen nicht mehr geben wird.