Schweden, Dänemark und Kanada zeigen, dass Vertrauen im Job Zufriedenheit und Leistung stärker fördert als Kontrolle.
Laut Wirtschaftspsychologin Elisa Dörpinghaus vom BGF-Institut ist das Gefühl von Zugehörigkeit ein psychologisches Grundbedürfnis. Wer sich eingebunden fühlt, berichtet einen besseren psychischen Gesundheitszustand, erlebt weniger Stress und ist zufriedener. Vertrauen macht außerdem motivierter und leistungsfähiger, Forschende sagen, es mache Menschen glücklicher.
Vertrauensforscherin Eva Schulte-Austum hält ihn für in die Jahre gekommen und antwortet mit einem dänischen Sprichwort: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist teurer. Denn Kontrolle kostet Zeit, Energie, Nerven und Unternehmen eine ganze Menge Geld. Wer gut miteinander arbeiten möchte, sollte sich neu orientieren.
Ein Grund ist das Jante-Gesetz, eine soziale Norm: Niemand ist besser, niemand schlechter, alle sind gleich. Deshalb duzen sich Chefs und Mitarbeiter, es gibt keine akademischen Titel auf Visitenkarten oder Türschildern, und in der Fika sitzt der Chef in der Regel neben dem Lagerarbeiter.
Der Spitzensteuersatz liegt in Dänemark bei ca. 53 %, in Deutschland bei 42 %, die Mehrwertsteuer beträgt 25 %. Dennoch sehen Dänen Steuern als Unterstützung der Gemeinschaft. Sie finanzieren öffentliche Krankenversicherung, kostenlose Bildung, Hilfe für Arbeitslose und Rentner sowie oft kostenlose Kultur für Menschen bis 18 Jahre.
Kanadier gewähren anderen einen Vertrauensvorschuss: Schenke anderen Menschen Vertrauen, bis sie dich eines Besseren belehren. Laut Eva Schulte-Austum macht man damit tatsächlich bessere Erfahrungen, weil geschenktes Vertrauen an der Ehre ansetzt. Sie beschreibt Kanadier als enorm freundlich, man hält Türen auf und steht in langen Schlangen.
Ja. Die Soziologin Manuela Vieth zeigte an der Universität in Utrecht in einem Experiment, dass das Gegenüber motivierter ist, zuverlässig zu handeln und Versprechen einzuhalten, wenn man die Person als vertrauenswürdig wahrnimmt und sie das auch spüren lässt. Geschenktes Vertrauen wird also eher bestätigt als enttäuscht.
Elisa Dörpinghaus nennt ein Beispiel: Wenn jemand im Meeting viel redet und man sich übergangen fühlt, kann man ihm eine positive Absicht unterstellen, etwa dass er die beste Lösung für Team und Unternehmen will. So wirkt man selbst vertrauenswürdiger, statt andere unter Generalverdacht zu stellen.
Vor allem einen generellen Vertrauensvorschuss geben: Menschen Dinge zutrauen und davon ausgehen, dass sie ihr Bestes geben, motiviert sind und im Homeoffice wirklich arbeiten statt im Baumarkt unterwegs zu sein. Wer Vertrauen spürt, tut fast alles, um es zu bestätigen. Kontrolle ist ab und zu okay, Vertrauen meist besser.